Auf nach Oldenfelde!

Am 20. September wurde der Hamburger SPD-Distrikt Oldenfelde schlagartig in ganz Deutschland bekannt und berühmt. Ein technischer Fehler hatte einen begeisterten Twitter-Trend ausgelöst.

Oldenfelde

In Hamburg nennt man die SPD Ortsvereine „Distrikte“. Einer von ihnen hat am Montag zu seiner Versammlung nebst Wahlnachlese eingeladen. Einem – von den Oldenfelder:innen unbeabsichtigten und unverschuldeten – technischen Fehler ist es zu verdanken, dass diese Einladung an den kompletten Mailverteiler der SPD in ganz Deutschland ging.

#Oldenfelde trendet

Die Reaktionen – auch und vor allem bei Twitter – waren enorm. Vor allem steckten sie voller Witz und spiegelten die gute Stimmung wider, die offenbar gerade die gesamte Sozialdemokratie erfasst hat. Der Hashtag #Oldenfelde trendete binnen weniger Stunden, darunter verabredeten sich Genoss:innen zu gemeinsamen Bustouren nach Oldenfelde und weiteren Ideen, wie man der Einladung auch aus dem entferntesten Winkel der Republik nachkommen könnte.

@otbhh ist dabei

Der Distriktsvorsitzende von Oldenfelde Ole Thorben Buschhüter – selbst bei Twitter unter dem Handle @otbhh unterwegs – ließ sich den Spaß nicht entgehen. Er erwog einen Umzug ins Volksparkstadion …

Oldenfelde-Tweet 1

… und die Organisation eines Sonderzugs.

Oldenfelde-Tweet 2

Dem Vorwärts gab er bereits am Montag ein Interview zu Oldenfelde und den unzähligen Rückmeldungen, die ihn auch per Telefon und auf anderen Wegen erreichten.

„Die allermeisten nehmen es zum Glück mit Humor. Das zeigt, wie gut die Stimmung in der SPD gerade ist.“

Dabei nutzte er selbstredend die Gelegenheit, auf die Bedeutung dieses Ortsteils und des Distrikts Oldenfelde hinzuweisen.

„Oldenfelde ist der Nabel der Welt. Hier stoßen die Distriktversammlungen der SPD auf allergrößtes Interesse. Und Olaf Scholz ist hier ein Jahr zur Grundschule gegangen.“

Zufällige Medienmacht

Die gute Stimmung in der SPD ist jedoch nicht die einzige Erkenntnis. Dass ein schiefgegangenes Mailing binnen weniger Stunden einen bundesweiten Twittertrend auslösen kann, wirft ein interessantes Schlaglicht auf die Medienmacht, die in der guten alten Tante SPD steckt. Sollten wir im Hinterkopf behalten.

Was ist denn überhaupt passiert?

Ursache des versehentlichen Mailings war im Übrigen ein technisches Problem beim verwendeten Mailingprogramm, dem sogenannten EasyMailer. Ohne dass die/der Versender:in es ahnen konnte, waren die definierten Zielgruppen an zentraler Stelle deaktiviert worden. Der Distrikt Oldenfelde hatte also mit bestem Wissen und Gewissen auf „Senden“ gedrückt, in der berechtigten Erwartung, dass die Mail automatisch nur an die zugewiesene Zielgruppe der Oldenfelder:innen gehen würde. Tatsächlich wurde aber der gesamte Verteiler beglückt.

Das hatte man in Berlin zwar schnell bemerkt – da war diese (und mindestens eine weitere) Mail aber bereits in den Aether gegangen. Nur wenig später ging eine Entschuldigungsmail aus dem Willy-Brandt-Haus an den Verteiler.

Und was ist mit dem Datenschutz?

Vereinzelt kam die durchaus naheliegende Frage, ob damit eine Beeinträchtigung des Datenschutzes vorliege. Grundsätzlich ist der EasyMailer aber so konstruiert, dass die oder der Versender:in zu keinem Zeitpunkt sehen kann, an wen konkret sie oder er seine Mails aussendet. Selbst im Normalfall wählt man in Oldenfelde für eine Versendung also nur die Ziegruppe Oldenfelde aus, ohne zu wissen, wer darin enthalten ist. Die zugehörigen Daten werden daher auch nicht lokal gespeichert.

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