Alles Gute zum 85. Geburtstag, Hans-Ulrich Klose!

Hamburgs ehemaliger Bürgermeister und langjähriger Bundestagsabgeordneter Hans-Ulrich Klose feierte dieser Tage seinen 85. Geburtstag. Wir gratulieren und blicken zurück auf ein bewegtes Leben.

Was macht eigentlich Hans-Ulrich Klose? Es ist still geworden um Hamburgs ehemaligen Bürgermeister, um den profilierten Außenpolitiker, der in Hamburg, in der SPD auf Landes- und Bundesebene und für 30 Jahre im Deutschen Bundestag so viele Ämter bekleidet hat, dass allein die Aufzählung den Rahmen einer Geburtstagslaudatio sprengen würde. Dabei hatte Uli Klose allen Grund, sich an seinem 85. Geburtstag am 14. Juni – übrigens am gleichen Tag wie Kanzler Olaf Scholz und Hamburgs Innensenator Andy Grote – gebührend feiern zu lassen.

An einige Meilensteine seiner bewegenden Vita sei hier erinnert. 1937 in Breslau geboren, 1946 ausgewiesen, in Bielefeld angekommen und aufgewachsen. Als prägend nennt der „eingefleischte Transatlantiker“, als der er in Parlamentarierkreisen gern bezeichnet wurde, ein Austauschjahr in Iowa, USA. „Vom Glück, als junger Mensch in Amerika zu leben“ – darüber berichtet er 2021 in einem Essay, veröffentlicht in der Festschrift des Auswärtigen Amtes zum 40-jährigen Bestehen des Amtes des Transatlantikkoordinators.

Hans-Ulrich Klose ist Jurist, studiert hat er in Freiburg und Hamburg. Am 1. März 1964 tritt er in die SPD ein, stürmt durch Parteigremien und Parlament nach ganz oben: 1968 stellvertretender Landesvorsitzender der Hamburger SPD, 1970 Bürgerschaftsabgeordneter, 1972 Fraktionsvorsitzender, 1973 bis 1974 Innensenator. Am 12. November 1974 wählt der Senat den 37 Jahre jungen Hans-Ulrich Klose als Nachfolger des zurückgetretenen Peter Schulz zum jüngsten Länderregierungschef. Der Erste Bürgermeister, „uns Uli“, baut seine Popularität kontinuierlich aus, er gilt vielen als „everybody’s darling“. So verwundert es kaum, dass die SPD sich 1978 mit ihm an der Spitze die absolute Mehrheit zurückholt.

Hans-Ulrich Klose ist nicht nur beliebt. Er bringt Hamburg mit zentralen Weichenstellungen voran. In seine Amtszeit fällt etwa die Einrichtung der Leitstelle „Gleichstellung der Frau“, die TU Hamburg-Harburg wird gegründet, der Elbtunnel eröffnet, Seniorenbeiräte und Sozialstationen etabliert, die SAGA zu einem wohnungsbaupolitischen Instrument ausgebaut.

Eigenwillig aber nicht stur, ein unabhängiger Kopf und nachdenklicher Intellektueller: Die Massenproteste gegen Brokdorf bewegen Hans-Ulrich Klose zum Umdenken, aus dem Atomkraftbefürworter wird ein Gegner. Die Frage der Atommüllentsorgung ist für ihn unauflösbar. Für seinen Anti-Brokdorf-Kurs findet er allerdings in Landesvorstand und Fraktionsspitze keine Mehrheit und erklärt am 25. Mai 1981 seinen Rücktritt als Erster Bürgermeister.

Ein Rückzug aus der Politik ist das mitnichten. Bereits zwei Jahre später beerbt er Herbert Wehner im Wahlkreis Hamburg-Harburg, marschiert mit 55 Prozent der Erststimmen nach Bonn in den Bundestag und startet seine zweite politische Karriere. 30 Jahre lang, bis zu seinem Ausscheiden 2013, gewinnt Uli Klose in acht Bundestagswahlen in Folge das Direktmandat für die SPD – nach einer Wahlkreisreform seit 2002 mit dem Bezirk Bergedorf.

Auch im Bundestag bleibt Uli Klose 30 Jahre lang in Bewegung. Parlament, Partei und gesellschaftliche Entwicklungen hat er gleichermaßen im Blick. Von 1987 bis 1991 regelt er als Schatzmeister der SPD geräuschlos und effizient die Parteifinanzen, gründet 1994 mit Blick auf die demographische Entwicklung die AG 60plus und sitzt ihr vor. Die SPD-Bundestagsfraktion wählt ihn zum Vorsitzenden (1991 – 1994), von 1994 – 1998 ist er Vizepräsident des Bundestags. Den Auswärtigen Ausschuss leitet er von 1998 bis 2002, danach ist er dessen´ stellvertretender Vorsitzender, führt außerdem die Parlamentariergruppe USA.

Sich auf seinen Lorbeeren ausruhen, das war nie Uli Kloses Sache. Da mag man sich fragen, wie er dabei ein erklärter Familienmensch bleiben, wie er seine Leidenschaften, die Lyrik und die Malerei, pflegen konnte. Denn das macht er bis heute: Er schreibt Gedichte – für seine damalige Homepage wählte er jeweils ein Gedicht der Woche aus –, hat mehrere Gedichtbände herausgebracht. Und er malt – auch seine Frau, die Ärztin Anne Steinbeck-Klose, mit der er seit 1976 verheiratet ist und deren Porträt einst sein Büro schmückte.

Nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag 2013 bleibt Uli Klose in seinem Metier: Er steigt bei der Robert Bosch Stiftung als Senior Advisor ein, stellt seine transatlantische Expertise der Förderung der deutsch-amerikanischen Beziehungen zur Verfügung und unterstützt bis 2016 die Stiftung bei der Neuauflage ihres Fellowship Programms.

Das Jahr 2022 hat nicht gut begonnen für Uli Klose. Putins fürchterlicher Angriffskrieg auf die Ukraine hat ihn zutiefst erschüttert und macht im schwer zu schaffen. Und nach zwei Jahren erzwungenem Rückzug ins Private hat sich Uli Klose im April auf den letzten Metern auch noch mit dem Coronavirus angesteckt. Er befindet sich immer noch in der Rekonvaleszenz. Die SPD-Hamburg wünscht dir, lieber Uli, dass du bald wieder zu Kräften kommst und in deine Energie zurückfindest – alles Gute!

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