In ihrem Koalitionsvertrag für die laufende Legislaturperiode haben SPD und Bündnis 90 / DIE GRÜNEN geschrieben: „Ein Pilotprojekt zur flexiblen Oberstufe wird mit interessierten Schulen auf den Weg gebracht.“ (S. 135) Die Bildungs-Arbeitsgemeinschaften beider Parteien AfB und LAG haben sich dieses Themas gemeinsam angenommen und mit Fachleuten aus dem Bündnis für ein zukunftsfähiges Abitur und der Initiative Flexible Oberstufe sowie unterstützt von Kooperationspartnern wie der GEW, GGG und Arbeit und Leben eine Veranstaltung organisiert.
Flexible Oberstufe
An der Konferenz „Pilotprojekt flexible Oberstufe – Ein Weg für zukunftsfähiges Lernen in Hamburg“ am 17. April 2026 in der Stadtteilschule Eppendorf haben über 200 Personen teilgenommen; darunter Vertreter*innen Hamburger Stadtteilschulen, Gymnasien und Berufsschulen sowie von Verbänden wie der GGG, GEW, GEST, des LI, der Eltern-, Schüler- und Lehrerkammer.
Die Bildungswissenschaftlerin Prof. Dr. Anne Sliwka verglich zu Beginn der Konferenz die Rahmenbedingungen des Abiturs in Deutschland mit internationalen Entwicklungen. Ihre These ist, dass komplexe überfachliche Kompetenzen im Vergleich zu Noten an Bedeutung gewinnen. Ausgehend von diversen Beispielen aus den Hochleistungs-Schulsystemen im Ausland bezeichnete sie die Bestrebungen in Hamburg, die Oberstufe zu flexibilisieren, als einen sinnvollen Schritt. Die Schulsenatorin Ksenija Bekeris ergänzte die Perspektive der aktiven Bildungspolitik und betonte dabei die Bedeutung der Bildungsgerechtigkeit, die gestärkt werden müsse. Sie wies ausdrücklich darauf hin, dass Flexible Oberstufe nicht bedeuten dürfe, dass die Gymnasien über dieses Format G9 einführten. Das 2-Säulen-Modell des Hamburger Schulwesens mit seinen unterschiedlichen Wegen zum Abitur sei ein Erfolgsmodell.
In diesem digitalen Dokument sind die Inhalte der Praxis- und Innovationsimpulse sowie die Keynote von Frau Prof. Dr. Sliwka zusammengefasst. Jeder Impuls wurde von zwei Protokollant*innen begleitet. Diese Protokolle sind ebenfalls enthalten.
Großes Interesse
Im Nachgang wurde interessierten Schulen die Gelegenheit gegeben, sich zu melden, wenn sie weiter über ein mögliches Pilotprojekt Flexible Oberstufe in Hamburg informiert werden möchten. 25 Schulen (13 Stadtteilschulen, acht Gymnasien und vier berufliche Schulen) haben ihr Interesse bekundet, was unsere Erwartungen übertroffen hat.
Mit unserer Konferenz wollten wir die Umsetzung des Koalitionsvertrages bezüglich eines möglichen Pilotprojekts unterstützen. Die überwältigende Resonanz hat gezeigt, dass es in den Schulen in Hamburg ein großes Interesse an der Fortentwicklung von Lernprozessen gibt und eine überraschend hohe Zahl von Stadtteilschulen und Gymnasien im Austausch über Umsetzungsmöglichkeiten einer Flexiblen Oberstufe bleiben möchte. Die Senatorin hat Vertreter*innen der Planungsgruppe zu einem Gespräch in die Behörde eingeladen, um die Anregungen der Konferenz auszuwerten.
Es geht also weiter!
Die Autorin
Dora Heyenn war bis 2020 Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft. Seit 2020 ist sie Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Bildung der SPD Hamburg.