Mitgliederbeirat der SPD – Eine Chance zum Gestalten

Unlängst tagte zum ersten Mal der Mitgliederbeirat der SPD. Für Hamburg wurde Dana Dregenuß ausgewählt. Sie berichtet exklusiv, wie sie das erste digitale Treffen erlebt hat.

Der neu ins Leben gerufene Mitgliederbeirat der SPD wurde vielfach diskutiert und als komplett neues Konzept konnte sich wohl kaum jemand außerhalb der Initiatoren so wirklich etwas darunter vorstellen.

Die Idee: Als einfaches Mitglied Gehör finden

So ging es auch mir. Grundsätzlich war ich von der Idee angetan, die Parteibasis in den Meinungsbildungsprozess der SPD aktiv einzubinden. Häufig stellt sich doch vielen Menschen die Frage, wie sie mit ihrer Meinung Gehör finden können.

Und ich glaube, dass auch viele SPD-Mitglieder gerne mehr gehört werden würden. Mit Themen, die für sie selbst wichtig sind. Natürlich kommt hier schnell das Problem auf, dass Saskia und Norbert nicht jedes einzelne Mitglied auf einen Kaffee einladen können. Das würde den Rahmen dann doch etwas sprengen. Die Idee, einen Mitgliederbeirat ins Leben zu rufen ist meiner Meinung nach eine gute Möglichkeit, um genau diesem Bedürfnis gerecht zu werden.

Das erste Treffen: Saskia und Norbert hören zu

Bei unserem ersten digitalen Treffen waren neben Lars tatsächlich auch Saskia und Norbert anwesend. Damit hatte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet.

Nun waren wir also da. Fast 20 (nicht alle konnten dabei sein) zufällig ausgewählte Mitglieder ohne Parteifunktion aller Altersklassen und Berufe. Von Abiturient/in bis Rentner/in war alles dabei: Menschen mit Kindern, Menschen ohne Kinder, solche in Ausbildung, mitten im Berufsleben stehend oder bereits aus dem Berufsleben ausgeschieden. Eines haben wir jedoch alle gemein: Wir möchten positive Veränderung herbeiführen.

Nun würde man meinen, so unterschiedlich, wie die Menschen, sind auch die Themen, die sie beschäftigen. Jedenfalls hatte ich das so erwartet: Massig Input, kaum Überschneidungen. Aber ich wurde eines Besseren belehrt.

Trotz unserer Unterschiede stellte sich relativ schnell heraus, dass viele von uns dieselben Themen in unterschiedlichen Ausprägungen auf dem Herzen haben: Bildung, der Zustand unseres Gesundheitssystems, Umweltschutz, die Verbesserungswürdigkeit unseres Arbeitsrechts, Gleichberechtigung. Alles Themen, die auch in der Politik Thema sind, aber doch irgendwie auch nicht.

Themen, über die sonst von Menschen diskutiert wird, die sich keine Sorgen um Altersarmut machen müssen. Deren Kinder nicht auf kostenlose, qualifizierte Bildungsangebote angewiesen sind und die auch nicht in 24-Stunden-Schichten im Krankenhaus für die Gesundheit anderer ihre eigene Gesundheit gefährden.

Während wir die uns wichtigen Themen nennen und darüber diskutieren durften, hatte ich weniger die aktuellen Sprecher/innen vor der Kamera im Blick, sondern vor allem Saskia und Norbert. Und mir wurde schnell klar: Diese Beiden interessiert es wirklich, was wir aus der Basis denken. Während Norbert vor allem gespannt zuhörte, verfolgte ich begeistert Saskias Reaktionen, denn die kamen von Herzen: Kräftiges Nicken, deutliches Kopfschütteln, wenn es um Ungerechtigkeiten ging und andere Gesten, die ihre Zustimmung zum Gesagten ausdrückten.

Eine Chance für die Erneuerung

Und da kam bei mir das Gefühl auf, dass wir tatsächlich eine einmalige Chance bekommen: Die Chance, ohne ewig langen, anstrengenden Aufstieg in die Politik unsere Bedürfnisse deutlich zu machen und dabei gehört zu werden. Die Partei bei ihrem Weg der Erneuerung zu unterstützen, sie noch mehr zu einer Partei für die Basis zu machen, zu einer Partei für die Menschen in diesem Land. Mit echten Themen aus dem Leben und echten Lösungen.

Wir tauschen uns nun weiterhin online aus und warten gespannt auf die hoffentlich bestehende Möglichkeit eines realen Treffens. Und auf weitere Möglichkeiten EURE Themen zur Spitze zu tragen. Und Lösungen für uns alle zu finden.

Und dann liegt es an der Spitze, diese Themen und Lösungen als das nach außen zu tragen, was sie sind: Die Bedürfnisse der breiten Masse.

Ein Jahr bleibt uns nun Zeit, um zu zeigen: die Basis ist wichtig! Nicht nur als Mitglieder und Wähler, sondern als aktiver Teilnehmer an der Gestaltung und Umsetzung der Themen, die wirklich wichtig sind.

Die Autorin

Dana Dregenuß lebt in Niedersachsen und ist als SPD-Mitglied in Hamburg organisiert. 2020 wurde sie per Zufallsverfahren als eine von 20 Genossinnen und Genossen für den neu geschaffenen Mitgliederbeirat der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands ausgewählt.

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