Damit Frauen medizinisch bestmöglich behandelt werden können, braucht es ein Umdenken und konkrete Veränderungen in Medizin, Politik und Gesellschaft. Wie diese aussehen können, darum ging es bei einer Veranstaltung der SPD Frauen Altona, die unter dem Motto „Neue Wege für Forschung, Medizin und Gesellschaft“ das Thema Frauengesundheit in den Fokus stellte.
Wieso war der größere Bevölkerungsanteil so lange in der Medizin vollkommen unterrepräsentiert? Wieso ist der Mann in der Schulmedizin und der Pharmaindustrie noch immer oft alleiniger Maßstab aller Dinge? Was ist Gendermedizin und wieso ist eine andere Forschung nötig, damit Frauen medizinisch gut und adäquat behandelt und beraten werden können?
Diese und viele weitere Fragen wurden am 22. Januar 2026 bei der Veranstaltung der SPD Frauen Altona von über 30 zum größten Teil weiblichen Teilnehmenden diskutiert. Das Podium im Saal des Luthercampus in Bahrenfeld war hochrangig besetzt: Hamburgs Gesundheitssenatorin Melanie Schlotzhauer, die Medizinerin und Vizepräsidentin der Ärztekammer Hamburg Dr. med. PD Birgit Wulff sowie Claudia Loss, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft und seit vielen Jahren als Krankenschwester tätig, brachten ihre Perspektiven ein.

Aufmerksamkeit und Akzeptanz müssen wachsen
Auch im Jahr 2026 ist es weiterhin notwendig, auf die Besonderheiten in Diagnostik und Behandlung von Frauen aufmerksam zu machen. Auch muss die gesellschaftliche Akzeptanz frauenspezifischer Erkrankungen und Lebensphasen – etwa Endometriose oder die Wechseljahre – weiter wachsen. Denn auch hier geht es um Gleichberechtigung. Veränderung entstehe nur, wenn die Anliegen von Frauen immer wieder ins öffentliche Bewusstsein gerückt würden, betonte Melanie Schlotzhauer: „Wir müssen laut sein.“
Dr. med. PD Birgit Wulff verwies auf Fortschritte der vergangenen Jahre, machte aber zugleich deutlich, dass noch viel zu tun bleibt: „Frauen leiden bei Erkrankungen oft an anderen Symptomen als Männer, auch im Hinblick auf die Therapie wissen wir mittlerweile mehr über geschlechtsspezifische Aspekte. Zum körperlichen, sozialen und psychischen Wohlbefinden von Frauen wird darüber hinaus intensiv geforscht. Denn Frauengesundheit hängt von vielen Faktoren ab.“
Wie vielfältig die gesundheitlichen Themen im Laufe eines Frauenlebens sind, wurde im Gespräch eindrücklich deutlich. Auch die Scham, die viele dieser Themen noch begleitet, spiele eine Rolle. Claudia Loss berichtete aus ihrer fast 35-jährigen Berufserfahrung: „Die älteren Patientinnen sprechen nicht offen über ihre Krankheiten und ihr Befinden. Bei Jüngeren ist dies anders.“
Ein Anfang: Der Bund fördert Forschungsprojekte
Auch auf Bundesebene wächst inzwischen das Bewusstsein für die Bedeutung von Frauengesundheit. Das Bundesgesundheitsministerium fördert seit Januar Forschungsprojekte mit bis zu zehn Millionen Euro, um geschlechtsspezifische Unterschiede in Diagnostik und Therapie besser zu verstehen und zu schließen. Gesundheitssenatorin Melanie Schlotzhauer betonte, dass Hamburg dabei durchaus Chancen habe, von diesen Mitteln zu profitieren.
Die SPD Frauen Altona werden sich weiterhin dafür einsetzen, dass Frauengesundheit politisch ernst genommen wird und die medizinische Versorgung von Frauen spürbar verbessert wird. Auch als Partei muss es unser gemeinsamer Anspruch sein, notwendige Veränderungen einzufordern und umzusetzen.
Die Autorin
Martina Friederichs war bis 2025 Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft, von 2014 bis 2025 zudem stellvertretende Vorsitzende der SPD Altona. Seit 2021 ist sie Vorsitzende der SPD Frauen Altona. Gerade hat sie ihr 25-jähriges Parteijubiläum gefeiert.