Am 19. März 2024 wäre Helga Elstner 100 Jahre alt geworden

Michael Merkel erinnert an seine Mutter, die Hamburger Gesundheitssenatorin und Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft Helga Elstner.

Am 19. März 2024 wäre meine Mutter, Helga Elstner, einhundert Jahre alt geworden. Dass sie in den späten siebziger Jahren eine in jener Zeit beispiellosen Karriere in Hamburg machte, war bis dato unvorstellbar.

Der heutige Bundeskanzler Olaf Scholz kondolierter seinerzeit mit den Worten:

„Als erste Frau im Amt der Zweiten Bürgermeisterin hat Helga Elstner Hamburger Geschichte geschrieben. Doch auch ihr großes politisches Engagement als Senatorin der Gesundheitsbehörde und als Bürgerschaftspräsidentin hat Spuren in unserer Stadt hinterlassen. Ihr Tod ist ein großer Verlust für Hamburg“.

Meine Mutter (geborene Kurz) wurde als Tochter des Kaufmanns Heinrich Kurz in Gelnhausen am 19. März 1924 geboren. Er verstarb als sie gerade einmal 19 Jahre alt war, an den Folgen einer Kriegsverletzung aus der Schlacht bei Stalingrad. Seither war sie bekennende Kriegsgegnerin. Sie ist darum im Zuge der Kampagne gegen die Wiederaufrüstung Deutschlands 1955 in die SPD Gelnhausen eingetreten. Zu den späteren militärischen Aufrüstungsplänen Helmut Schmidts ging sie in innerparteiliche Opposition.

In Gelnhausen heiratete meine Mutter zunächst meinen Vater Willi Merkel. Später folgte die zweite Ehe mit Frank Elstner. Erst der Ruf als Verbraucherschützerin nach Bonn und anschließend ihre Berufung als Mitarbeiterin ins Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit durch Käte Strobel sorgte für einen Wohnortwechsel. Mit Strobel verband Elstner zeitlebens eine enge Freundschaft.

Am 28. April 1976 wurde meine Mutter von der Hamburgischen Bürgerschaft in den Hamburger Senat gewählt und übernahm die Leitung der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz. Nach der Bürgerschaftswahl 1978 wurde sie vom umgebildeten Senat am 28. Juni 1978 zusätzlich zur ersten weiblichen Zweiten Bürgermeisterin, und damit zur Stellvertreterin des Ersten Bürgermeisters Hans-Ulrich Klose, gewählt. Am 13. Juni 1984 gab sie ihre Ämter als Zweite Bürgermeisterin und Präses der Gesundheitsbehörde auf, um ihr Mandat in der Bürgerschaft auszuüben. 1987 wurde sie in der Nachfolge von Elisabeth Kiausch zur Bürgerschaftspräsidentin gewählt.

Sie traf in ihrer Hamburger Zeit Persönlichkeiten wie Lady Di und den heutigen britischen König Charles. Sie lernte den ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger kennen und dinierte mit Jiang Zemin, der später chinesischer Staatspräsident werden sollte. Ihr bundespolitischer Einfluss erstreckte sich weit über die Grenzen Hamburgs hinaus. Als eine der ganz wenigen Frauen vertrat Sie Hamburg im Bundesrat und bei diversen Ministerkonferenzen. In dieser Funktion wusste sie auch anzuecken – mit ihrer ruhigen aber konsequenten Art. Neben den ersten Bürgermeistern Hamburgs mussten das auch Willy Brandt und Helmut Schmidt immer wieder feststellen.

Mit dem Ende der 13. Wahlperiode am 19. Juni 1991 endete ihre Laufbahn als Abgeordnete und Präsidentin. Nach der Niederlegung ihres Bürgerschaftsmandates setze Sie ihre bereits 1986 begonnene Arbeit als Mitglied des Wirtschafts- und Sozialausschusses der
Europäischen Gemeinschaft, Brüssel, mit den Arbeitsschwerpunkten Wirtschafts- und Verbraucherfragen, Außenbeziehungen bis 2006 fort.
Ihre letzten Lebensjahre widmete Sie als Präsidentin der Elsbeth-Weichmann-Stiftung. Auch mit Elsbeth Weichmann verband sie eine innige und langjährige Freundschaft. Gemeinsam kämpften sie innerparteilich unter anderem gegen den NATO-Doppelbeschluss und die Änderung des Asylrechts.

Meine Mutter verstarb 2012 im hohen Alter von 88 Jahren. Sie war eine außergewöhnliche Frau, Mutter und Politikerin. Sie war die erste zweite Bürgermeisterin der Hansestadt Hamburg und später Parlamentspräsidentin der Hamburger Bürgerschaft. Ihr ganzes Leben widmete Sie dem Einsatz für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Verbraucherschutz – als überzeugte Sozialdemokratin.

Zur Erinnerung an meine Mutter habe ich unlängst eine Website eingerichtet, welche unter www.helga-elstner.de zu finden ist.

Michael Merkel

Ein Gedanke zu „Am 19. März 2024 wäre Helga Elstner 100 Jahre alt geworden“

  1. Helga war immer ansprechbar und hatte keinen Dünkel. Ich habe sie als damaliger Wandsbeker Bezirksamtsleiter auch mehrfach kurzfristig zu Veranstaltungen und Terminen außerhalb der offiziellen Wege gewinnen können. Immer Nachbar und freundlich im Umgang.
    Rolf Lange

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