Am 28. Juli machten sich vier hochmotivierte Genoss*innen aus Oberalster morgens um 8 Uhr von Poppenbüttel auf den Weg nach Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt. Gut vier Stunden später kamen wir in Bitterfeld an – mit ziemlich viel Neugier, reichlich Motivation und der festen Absicht, unsere Genossin Katharina Kohl, Kandidatin im Wahlkreis 28 und die SPD vor Ort ganz praktisch im Wahlkampf zu unterstützen.
Am Nachmittag trafen wir endlich persönlich auf Katharina und die Genoss*innen vor Ort – darunter Thorsten Weiser, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Altkreis Bitterfeld, Diana Bäse und Fabian Stegner. Über Zoom kannten wir uns bereits, aber ein Bildschirm ersetzt eben keine persönliche Begegnung.
Bei hochsommerlichen Temperaturen und einem dringend notwendigen Eis wurde aus dem ersten Kennenlernen sehr schnell ein herzliches Miteinander. Und lange beim Eis geblieben sind wir natürlich nicht.
Noch am selben Nachmittag ging es zu sechst und mit zwei Autos nach Zörbig, einem Städtchen in der Nähe von Bitterfeld. Dort schwärmten wir in Zweiergruppen aus und verteilten einen eigens für Zörbig gestalteten Flyer von Katharina in die Briefkästen.
Um 19 Uhr war dann tatsächlich Feierabend – zumindest für diesen Tag. Beim gemeinsamen Abendessen im Restaurant unseres Hotels konnten wir die ersten Eindrücke austauschen und den nächsten Tag planen.

Wahlkampf von früh bis spät
Der nächste Tag begann um 7 Uhr am Bahnhof Bitterfeld. Mit einem kleinen Frühstück und Flyern für die Frühpendler machten wir auf eine Veranstaltung mit SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf am 4. August auf dem Wasserspielplatz am Leineufer, nahe dem Hafen von Bitterfeld, aufmerksam.
Bereits um 10 Uhr ging es mit einem Infostand auf dem Bitterfelder Marktplatz weiter. Dort standen wir – wenig überraschend – auch neben einem Stand der AfD, die sich in der Region ihrer Sache ziemlich sicher fühlen dürfte.
Umso bemerkenswerter war, was dann passierte: Wir hatten viele und vor allem richtig gute Gespräche mit Bürger*innen. Katharina sagte uns später, dass sonst längst nicht so viele Menschen an den SPD-Stand gekommen seien.
Vielleicht lag es ja tatsächlich ein bisschen an der geballten Präsenz von sechs stabilen Sozis. Für uns war das jedenfalls eine der wichtigen Erfahrungen dieser Reise: Es macht einen Unterschied, ob Sozialdemokratie sichtbar ist oder nicht!
Menschen kommen ins Gespräch, wenn jemand da ist, ihnen zuhört, diskutiert und Haltung zeigt. Gerade dort, wo andere Parteien glauben, das politische Feld längst für sich gepachtet zu haben.
Am Nachmittag zogen wir mit dem Bollerwagen an die Goitzsche (dem Bitterfelder Tagebausee mit Hafen und Wasserspielplatz), verteilten Fassbrause, kamen mit Menschen ins Gespräch und warben weiter für die Veranstaltung am 4. August. Unterstützt wurden wir dabei von der SPD-Europaabgeordneten Sabrina Repp. Auf dem Rückweg zum Hotel? Natürlich noch ein paar Briefkästen geflyert.

Nach einer kurzen Pause ging es am Abend erneut nach Zörbig, um dort weiter Katharinas Flyer zu verteilen. Und weil Wahlkampf offenbar besonders gut vor dem ersten Kaffee funktioniert, standen wir am nächsten Morgen bereits um 6 Uhr wieder am Bahnhof Bitterfeld zur Frühverteilung.

Danach blieb endlich etwas Zeit für ein gemeinsames Frühstück mit Katharina. Wir vier „alten Hasen“ konnten es natürlich nicht lassen, noch den einen oder anderen klugen – und hoffentlich brauchbaren – Wahlkampftipp aus Hamburg dazulassen.
Dann hieß es Abschied nehmen. Herzlich, ein bisschen wehmütig und mit dem festen Gefühl: Das war ganz sicher nicht nur ein netter Besuch, sondern eine echte Wahlkampfunterstützung.
Was wir aus Bitterfeld-Wolfen mitgenommen haben
Natürlich wollten wir Katharina und die Genoss*innen vor Ort unterstützen. Aber nach diesen drei Tagen haben auch wir etwas mitgenommen.
Wir haben Genossinnen und Genossen erlebt, die unter schwierigen politischen Bedingungen nicht resignieren, sondern morgens um sechs am Bahnhof stehen, Veranstaltungen organisieren, an Haustüren und Briefkästen gehen, auf Marktplätzen Präsenz zeigen und immer wieder das Gespräch mit den Menschen suchen.
Und genau deshalb sollten wir sehr vorsichtig damit sein, Sachsen-Anhalt politisch vorschnell abzuschreiben. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.
Und es gibt noch einen sehr konkreten Grund, warum Aufgeben gerade jetzt fatal wäre: Es ist eben nicht egal, ob die SPD den Einzug in den Landtag schafft. Bei den derzeitigen Mehrheitsverhältnissen kann jede demokratische Partei, die die Fünf-Prozent-Hürde überwindet, entscheidend dafür sein, wie sich die Mehrheiten im nächsten Landtag zusammensetzen.
Deshalb gehört für uns auch die Diskussion über taktisches Wählen auf den Tisch. Wer eine demokratische Mehrheit in Sachsen-Anhalt sichern will, sollte sich bewusst machen, welche Folgen eine Stimme hat – und welche Folgen es haben kann, wenn demokratische Parteien an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Gerade deshalb braucht es eine starke SPD, die um jede Stimme kämpft.
Unsere Solidarität als Sozialdemokrat*innen darf nicht davon abhängen, wo die Umfragen gerade besonders erfreulich aussehen. Im Gegenteil: Gerade dort, wo Sozialdemokratie es schwer hat, braucht es Menschen, die sichtbar bleiben, zuhören und für unsere gemeinsamen Überzeugungen eintreten.
Wir haben in Bitterfeld-Wolfen erlebt, dass genau das etwas bewirken kann. Nach drei intensiven, heißen und ziemlich arbeitsreichen Tagen sind wir jedenfalls mit einer Gewissheit nach Hamburg zurückgefahren: Aufgeben ist keine Option.
Die Autorin
Christiane Rösch ist Vorsitzende der SPD Oberalster, Abgeordnete in der Bezirksversammlung Wandsbek, Co-Fachsprecherin Klima, Umwelt und Verbraucherschutz der SPD Fraktion Wandsbek, sowie Beisitzerin im SPD-Fraktionsvorstand.