Soziale Gerechtigkeit in Zeiten der Coronapandemie

Prof. Dr. h.c. Christa Randzio-Plath, Vorsitzende des Marie-Schlei-Vereins zum heutigen Welttag der sozialen Gerechtigkeit

Die Coronapandemie verstärkt soziale Ungerechtigkeit und Ungleichheit. Das stellt unter anderem der neue Oxfam-Bericht 2022 fest. Dabei wurde der 20. Februar als Welttag der sozialen Gerechtigkeit bereits 2009 durch die UN eingeführt.

Oxfam-Ungleichheitsbericht 2022

Was ist soziale Gerechtigkeit?

Soziale Gerechtigkeit umfasst die gerechte Verteilung von Einkommen, Vermögen, Zugang zum Gesundheitswesen, zum Arbeitsmarkt und allen wichtigen Ressourcen sowie die politische Teilhabe. Noch immer entscheiden weltweit Herkunft, Alter, Geschlecht und Religion über die Chancen eines Menschen und verletzen damit die Menschenwürde und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Der Nachhaltigkeitsbericht der Vereinten Nationen von 2021 stellt fest: weltweit wurden schätzungsweise 124 Millionen Menschen zusätzlich in die extreme Armut gedrängt und 161 Millionen Menschen erleiden zusätzlich Hunger. Eine Generationenkatastrophe droht in der Bildung, denn mit zusätzlichen 101 Millionen Kindern, die die Mindestkompetenz im Lesen nicht erreichen, könnten zwei Jahrzehnte des Fortschritts im Bildungsbereich dahin sein.

Frauen und Kinder besonders betroffen

Frauen sehen sich verstärkt häuslicher Gewalt ausgesetzt, die Kinderheirat steigt nach dem Rückgang der letzten Jahre um rund 30%. Un- und unterbezahlte Betreuungsarbeit wird zunehmend und Frauen und Mädchen aufgebürdet. Durch die Pandemie erleiden 1,6 Milliarden Menschen Armut und Ausbeutung in der Schattenwirtschaft. 255 Millionen Vollzeitstellen gingen weltweit verloren.

Internationale Solidarität

Die internationale Solidarität wird mehr denn je gebraucht. Mit der Unterstützung von Projekten zum Women Economic Empowerment in Afrika, Asien und Lateinamerika leistet der Marie-Schlei-Verein seit 1984 erfolgreich seinen Beitrag zur Überwindung von Ungleichheit. 2021 konnte der Verein mit Hilfe seiner Mitglieder und Unterstützer:innen 66 Projekte für 3.724 Frauen in 18 Ländern fördern.

Die Autorin

Prof. Dr. Christa Randzio-Plath gründete 1984 in Erinnerung an die frühere Entwicklungshilfeministerin Marie Schlei den gleichnamigen Verein, der seitdem rund 550 Projekte in Asien, Afrika und Lateinamerika gefördert hat. Die Rechtsanwältin war von 1989 bis 2004 Mitglied des Europäischen Parlaments und engagiert sich ehrenamtlich in zahlreichen Organisationen.

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