Hamburg als Zentrum einer europäischen Wasserstoffwirtschaft

Hamburgs Wirtschaftssenator Michael Westhagemann über die aktuellen und zukünftigen Pläne der Hansestadt zum Innovationsthema Wasserstoff

Im Hamburger Klimaplan hat sich der SPD geführte Senat hohe Ziele gesetzt: bis 2030 sollen die CO2-Emissionen um 55 % reduziert werden und bis 2050 soll Hamburg klimaneutral sein. Außerdem haben wir uns im Koalitionsvertrag vorgenommen, noch dieses Jahr ambitioniertere Ziele festzulegen. Auch wenn diese Jahreszahlen noch weit entfernt klingen, müssen wir heute die Weichen stellen, dieses Ziel auch zu erreichen. Rund die Hälfte der Emissionen und damit auch der Einsparziele fallen dabei auf den sogenannten Transformationspfad Wirtschaft an.

Das Ziel ist leistungsstarke und klimaneutrale Industrie

Der Hamburger Hafen ist ein in Europa einzigartiger Industriestandort: Die Produktion von Stahl, Aluminium und Kupfer auf einem Gebiet konzentriert sorgt für hohe Wertschöpfung und gut bezahlte Arbeit – meist in Tarifverträgen. Schon heute gehören die Anlagen in Hamburg zu den modernsten und emissionsärmsten in Europa. Das Ziel ist also klar: wir wollen diese Industrie am Standort halten und sie gleichzeitig dabei unterstützen klimaneutral zu produzieren. Ein wichtiger Baustein dabei ist die Etablierung einer grünen Wasserstoffwirtschaft.

Grüner Wasserstoff

„Grüner“ Wasserstoff wird durch Strom erzeugt, der ausschließlich aus erneuerbarer Energie stammt und soll dort eingesetzt werden, wo der grüne Strom nicht direkt verwendet werden kann. Dies ist heute zum Beispiel in der chemischen Industrie und der Metallurgie der Fall. Hier braucht es andere Energieträger als Kohle und Erdgas, damit wir unsere Klimaziele erreichen können. Neben der Vermeidung von CO2-Emissionen kann der Einsatz von grünem Wasserstoff zur Sicherung von Arbeitsplätzen in den betreffenden Industrien beitragen und neues Wertschöpfungspotential am Standort generieren. Noch allerdings ist die Produktion mit klimaneutralem Wasserstoff zu teuer oder gar nicht erst möglich, weil es noch viel zu wenig davon gibt. Deshalb unterstützt Hamburg gemeinsam mit dem Bund den Aufbau einer grünen Wasserstoffwirtschaft mit dem Setzen der richtigen Rahmenbedingungen und Fördermittel. Hamburg wird sowohl die Produktion von grünem Wasserstoff, den Aufbau eines regionalen und überregionalen Pipelinenetzes als auch die Verwendung von Wasserstoff zum Beispiel in der Metallurgie oder auch in der Luftfahrt abbilden. Damit kann Hamburg die gesamte Wertschöpfungskette darstellen. Dies zeigt sich an den erfolgreichen Förderanträgen des Hamburger Verbundantrags. Hier sind neben privaten Unternehmen wie Airbus, ArcelorMittal und Shell auch öffentliche Unternehmen wie die Hamburger Energiewerke, die HADAG und die Hamburg Port Authority beteiligt.

Hamburg als Zentrum der nordeuropäischen Wasserstoffwirtschaft

Allerdings wird Hamburg seinen Bedarf für grünen Wasserstoff trotz der neuen Ausbauziele der Bundesregierung im Offshore-Wind nicht selber decken können. Wir werden auch weiterhin Energieträger importieren müssen. Statt wie heute Öl und Erdgas, soll dies aber zukünftig klimaneutraler Wasserstoff zum Beispiel aus Schottland und Dänemark sein. Der Hamburger Hafen soll dabei zum Drehkreuz für grünen Wasserstoff werden. Deshalb hat die Wirtschaftsbehörde eine Importstrategie für grünen Wasserstoff erarbeitet. So kann Hamburg nicht nur seine eigene Wirtschaft dekarbonisieren, sondern auch dazu beitragen, dass sich die Industrie in ganz Deutschland klimaneutral aufstellen kann.

So können wir Hamburg zum Zentrum einer nordeuropäischen Wasserstoffwirtschaft und zum Vorbild dafür machen, dass Wirtschaft und Klimaschutz nicht in Konkurrenz stehen, sondern sich gegenseitig beflügeln können.

Der Autor

Michael Westhagemann ist parteilos und seit 2018 Senator für Wirtschaft und Innovation in Hamburg.

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